Neue Bilder zaubern

»Lenard Fritz Krawinkel«

„Der Computer ist das Filmstudio des 21. Jahrhunderts. Man braucht Hollywood nicht, um CGI zu machen...“ meint Regisseur Lenard F. Krawinkel und erschuf mit einem Team von 70 Mitarbeitern eine bunte Fantasie-Welt mit paradiesischen Landschaften und putzigen Fellfiguren, die ein actionreiches Abenteuer bestehen. Die Musik schuf Star-Komponist Michael Kamen (»Die Hard«, »Highlander«, »X-Men« etc.), als Sprecher wurde u.a. Michael Bully Herbig engagiert. Ganz großes Kino aus Niedersachsen, das mit 500 Kopien in Deutschland startet und bereits in 22 Länder verkauft wurde.

Wie ist die Idee für den Film entstanden?

Aus der Lust heraus, Geschichten mit neuen Bildern zu erzählen. Im Grunde genommen mit dem Mut zur Lücke, das heißt, aus einer neuen Produktions- und Herstellungsart der CGI-Technik (Computer-Generated-Image = im Computer erstellte Animation) in Europa Filme zu machen und damit neue Bilder zu zaubern. Wir wollten irgendetwas mit einem Abenteuer machen, mit Helden, die in einer Welt sind, wo sie alles Mögliche erleben müssen. Die erste Idee war eigentlich »Indiana Jones« für Kids zu machen, da wir alle große Fans von Steven Spielberg und seiner Art Geschichten zu erzählen sind.

Ist »Back to Gaya« eine Antwort auf diese amerikanischen Produktionen?

Eine Antwort... ich weiß nicht so recht. Das Schöne an dieser Art von Herstellung ist, dass es noch nicht den amerikanischen Standard gibt. Walt Disney hat fünfzig Jahre lang Maßstäbe im Animationsfilm gesetzt, alles musste sich daran messen. Was jedoch Pixar oder Dreamworks bisher vorgelegt haben, ist noch kein Standard, denn auch diese Jungs sind erst am Anfang. Pixar hat einen bestimmten Stil geschaffen, bei dem alles ein wenig nach Plastik, hell, bunt und ein bisschen unecht aussieht. Unser Stil ist dagegen viel realistischer. Nicht fotorealistisch, aber ein stilisierter Realismus, der in einer andere Richtung geht.

Haben Sie sich für »Back to Gaya« auch von PC-Spielen inspirieren lassen?

Überhaupt nicht. Ich habe noch nie in meinem Leben ein PC-Spiel gespielt.

Aber bestimmt ihre Grafiker, die daran gearbeitet haben.

Ja, aber das kann man nicht vergleichen. Ein PC-Spiel muss so programmiert sein, dass es live spielbar ist. Deren Auflösung hat einen Grad, die an unsere niemals heranreichen wird. Also von der Pixeldichte her und damit auch vom Look. Unser Bestreben war, etwas zu erschaffen, das nicht so billig und plastikmäßig wie ein PC-Spiel aussieht, sondern eher organisch oder wie Holz wirkt, wenn man etwas dagegen stellen will.

Welche Erfahrungen hatten Sie vor »Back to Gaya« mit animierten Filmsequenzen?

Bis auf den Vorspann meines Films »Sumo Bruno«, den Mit-Regisseur und -Produzent Holger Tappe gemacht hat, gar keine.

Was prädestiniert Sie nun mit einem animierten Film Neuland zu betreten?

Mich prädestiniert überhaupt nichts, denn ich bin kein langjähriger Animationsfilmer und mag auch keine Trickfilme. CGI ist schon etwas anderes und neues. Man kann auch keinen Spielfilm mit einem Animationsfilm vergleichen. Genauso kann man einen CGI-Film nicht mit einem Animationsfilm vergleichen, weil dem klassischen Animationsfilm einfach eine Dimension fehlt und das ist einfach die Tiefe oder die des Raums. Beim klassischen Animationsfilm hat man ein leeres Blatt, auf dem man zu zeichnen anfängt. Wir hatten eben einen leeren Raum vor uns, in dem man sich dann bewegen kann. Ein Teil von Kino-Illusion war immer mit Räumen und Tiefe zu spielen. Dabei fehlt einem immer ein Aspekt dieser Illusionsmaschinerie.

Worin unterscheidet sich die Funktion eines Regisseurs bei einem CGI- und einem Realfilm?

Ein Vorteil ist, dass man nie im Regen stehen muss. Man muss sich nie eine Regen- oder Daunenjacke oder irgendwelche klobigen Stiefel anziehen, um draußen zu filmen. Ein großer Nachteil ist, dass man auf seine Casting-Couch verzichten muss (lacht). Das Ganze mit diesen wunderschönen Schauspielerinnen fällt also weg. Aber wir haben natürlich mit Motion-Capturing (Bewegungsaufzeichnung) gearbeitet und da hatte ich wieder die Chance, mit richtigen Schauspielern zu arbeiten.

Welche Technik und wie viele Rechner kamen zum Einsatz?

Wir haben mit zehn Terrabyte an 160 Workstations am Film gearbeitet. Außerdem war es sicher nicht einer der preiswertesten deutschen Filme, der in letzter Zeit gemacht worden ist. Wir hatten allein einen monatlichen Stromverbrauch von achtzig vierköpfigen Haushalten.

Was waren die größten Herausforderungen bei »Back to Gaya«?

Eine ganz große Herausforderung war die Simulation der Kleidung. Es gab noch nie einen Film bei dem drei verschiedene, simulierte Kleiderebenen übereinander liegen. Bei »Final Fantasy« gab es da schon kleine Simulationen, aber bei uns ist das alles noch ein bisschen auf die Spitze getrieben. Das Ergebnis sind lebende, süße Steifftierchen mit Klamotten, Fell und Haaren. So etwas technisch zu lösen war eine Pionierleistung. Oder auch die Technik des Motion-Capturing mit dem Keyframe zu kombinieren. Wenn der Kanzler 2004 als Jahr der Innovationen ausgerufen hat, dann sind wir der lebende Beweis dafür, dass es so etwas in Deutschland gibt.

Gab es irgendwelche Vorbilder?

Wir wollten ein Buddie-Movie machen mit einem schönen, starken Helden, der alles gewinnt und dem die Frauen hinterherpfeifen. Und seinem Kumpel, der nicht so mutig und der kleine Erfindertyp ist. Von mir gab es den Wunsch, mit Alanta einen schönen weiblichen Charakter mit tollem Knackarsch dazuzunehmen. Bei den »Harry-Potter«-Büchern hat mir die Hermine immer sehr gefallen, die so frech und schlau ist und den Männern den Schneid abkauft und die Show stiehlt. Dann gibt es mit den Schnurks noch die drei Bösen, die eigentlich aber auch einen guten Kern haben. Letztendlich ist »Back To Gaya« ein Film, der als Genre zwar ein Abenteuerfilm ist, aber stark über seine Charaktere lebt.

Wie lange braucht es von der Rohskizze eines Charakters bis zur fertig animierten Figur?

Viele Jahre. Mit den Zeichnungen unseres Charakter-Designers Oliver Kurth kann man wahrscheinlich einige Wohnungen tapezieren.

Wie kann man sich die »Back to Gaya«-Welt vorstellen?

Das ist die Welt, aus der die Helden kommen und in die sie wieder zurückwollen. Eines Tages werden sie aus einem Fernseher herausgeschleudert, wollen aber dahin zurück. „Gaya“ ist ein bunter, schöner Ort, in dem immer Frühling ist, die Sonne scheint – einfach alles heil und gut ist.

interview: christian göttner
foto: warner bros.

Lenard Fritz Krawinkel

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