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„Fahr mich in die Ferne mein blonder Matrose“, denn „Grün ist die Heide“, so klingt es aus der großen, schrillen Jukebox – und wo findet man schon noch solche Hits, wenn nicht auf einer Ausstellung über längst vergangene Zeiten. Aber so reizend die Musik auch sein mag, ausschlaggebend dafür, dass man das Gerät nun im Wolfsburger Kunstmuseum sehen kann, ist wohl doch eher die Maschine selbst: 1947 entwarf sie ein unbekannter Designer und mixte dabei mehrere Stile: Der Fuß der Jukebox besteht aus gewelltem Plastik, das von innen regenbogenfarben beleuchtet wird. Der Mittelteil aus einem stoßstangenähnlichen Gebilde der 50er Jahre, und oben kann man durch eine Glasscheibe das Innenleben des Geräts bewundern, das zu besten Zeiten 40 Songs spielen konnte. Doch schon locken aus der Tiefe des Ausstellungsraumes andere Töne und so swingt man weiter, vorbei an stylischen Rasierern, Operationslampen, zu schweben scheinenden Staubsaugern, runden Heizungen und Kinderwagen aus hellblauem Blech mit Sonnenblende und Kofferraum. All diese Dinge sind Teil der Ausstellung »Streamline – Amerikanisches Design von 1930-1955«, die noch bis zum 16. Juni zu sehen ist.
Wie der Name sagt, wurden sämtliche Gegenstände nach einem stromlinienförmigen Prinzip entworfen. Tropfenförmige Gebilde aus einem Guss deuten Geschwindigkeit an. Eine Bewegung in Richtung Zukunft, die raus aus der Misere der Welt- wirtschaftskrise führen sollte, wird so erträumt. Massenkonsum, Marketing und Werbung waren noch frei von heutigen Wertvorstellungen. Reyer Kras, Kurator der Ausstellung aus Amsterdam dazu: „Die Objekte spiegeln die Hoffnung auf eine goldene, bessere Zukunft. Die grenzenlose Naivität und der wahnsinnige Optimismus sind dabei so faszinierend.“ Dies lässt sich gut an der Massenproduktion eines Bleistiftanspitzers nach- vollziehen, den, so Kras, eine „Aura von physikalischer Geschwindigkeit umgibt“. Wenn dieser Anspitzer funktioniert hätte, wäre es möglich gewesen, durch ihn 17 bis 18 Stifte pro Jahr zu sparen, alles vollautomatisch, mit einem Motor, der wie ein 8-Zylinder-Chrysler klang. In der Ausstellung ist ein ähnliches Modell zu sehen: der „Swingline Elektropointer XI“ von 1941, ein Bleistiftanspitzer, der an einen seitlich plattgedrückten Motorradhelm erinnert.
Die großen Vorhaben dagegen blieben leider Träume. In einer Vitrine liegen sie, Modelle gigantischer Doppeldeckerbusse in Tropfenform mit Panoramablick. Aus einem einzigen Aluminiumguss hätte der „Streamlined Motor Car No. 9“ entstehen sollen, ein Auto, geformt wie eine Kaulquappe. Hunderttausendfach wurden die unterschiedlichsten Radios, Mikrophone, Tischventilatoren, Schreibtischlampen und Handmixer produziert, für einen noch völlig leeren Markt. Sogar eine volle, alte Lucky Strike Schachtel aus dem Jahre 1942 – damals war sie noch blau! – ist auf der ersten reinen Designausstellung des Wolfsburger Kunstmuseums zu sehen. „Diese Objekte sind durch ihre Gestaltung auch Zeitmaschinen“, so Kras.
Na dann gute Reise zurück in eine vielseitige und spannende Designwelt!
text: janina ilse fotos: kunstmuseum wolfsburg
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