Der Chefarzt kommt Solo!

Farin Urlaub

Die Ärzte haben sich von der liebenswerten Berliner Garagen-Punk-Band in zwei Jahrzehnten zu deutschen Rock-Sauriern entwickelt. Doch obwohl sie mittlerweile Stadien füllen, wird eigentlich berechtigter Größenwahn immer noch durch enormen kreativen Output und vor allen Dingen Witz substituiert. So sind die Ärzte sicherlich die einzige Band, von der es als offizielles Merchandising flammende Aufkleber für Klodeckel gibt. Textlich sind sie dennoch weiterhin tief in der Pubertät verwurzelt. Wobei Bela und Rod eher die Beauftragten des rauen Fäkal-Witzes sind, während Farin Urlaub auf intelligenten Witz setzte und damit den Charme der Ärzte entscheidend prägte. Jetzt kommt mit »Endlich Urlaub!« das erste Solo-Album des Blondschopfs. SUBWAY sprach mit dem sympathischen Oberarzt über Kirchentage, die Ärzte und natürlich über Urlaub.

Warum kommt erst jetzt ein Soloalbum von Dir?

Weißte, ich fahr’ einfach zu gern weg. Ich hab‘ das immer so vor mir hergeschoben und gesagt: „Ja ja, ich mach’ ein Soloalbum und dann bin ich doch wieder in den Urlaub gefahren.“ Bela hat das Ganze ziemlich forciert in dem er in Interviews gesagt hat, dass ich an einem Soloalbum arbeite. Tja und dann musste ich! Ich bin ihm aber dankbar, sonst wäre das nie was geworden.

Warum unter dem Namen Farin Urlaub und nicht Jan Vetter?

Ich wollte keine Mogelpackung machen. Ich singe Deutsch, die Besetzung ist Gitarre, Bass und Schlagzeug und außerdem fand ich den Titel »Endlich Urlaub!« so geil. Ich hab’ mich nach der Ärzte-Trennung ja mit King Kong schon ziemlich als Jan ausgetobt. Das jetzt ist einfach ’nen Farin-Urlaub-Album.

Es klingt ein wenig nach frühen Ärzten mit frischerem Sound...

Da sind die Meinungen geteilt. Ungefähr die Hälfte der Leute, die das Album gehört haben, haben gesagt: „Weeste, das hättste Dir auch sparen können. Das ist ja ein Ärzte-Album“, die andere Hälfte hat gesagt: „Toll, dass du so etwas komplett anderes gemacht hast“. Ich steh’ mit meiner Meinung dazwischen.

Es gibt auf dem Album deutlich weniger Schweinereien, wenn man mal von dem Lied »1000 Jahre schlechten Sex« und der Textzeile »Ich kack Dir auf den Bauch« absieht. Ist Farin Urlaub ohne Bela und Rod zahmer?

Das hab’ ich schon bewusst gemacht, sonst sagen die Leute wieder: „Farin, ach der mit dem infantilem Fäkalhumor.“ Ich bin ja auch älter geworden und reifer. Natürlich hab’ ich diesen Humor noch nicht ganz verloren, sonst gäb’s »1000 Jahre schlechten Sex« ja auch nicht.

Das Riff von »OK« klingt ziemlich nach Papa Roach. Hast Du das bewusst eingebaut?

Nach Papa Roach? Echt? Kann schon sein, aber das hab’ ich nicht bewusst gemacht. Du bist der Erste, der das sagt. Mmm, stimmt! Eine gewisse Ähnlichkeit ist da. Ich finde die auch klasse, so ist das nicht. »OK« habe ich übrigens für die Ärzte geschrieben. Da wollt ich mal ’nen richtiges Metal-Stück beisteuern und Bela und Rod zeigen, dass ich so etwas auch kann. Bela hat mich dann zur Seite genommen und gesagt: „Hör mal Alter, das Metal-Stücke-Schreiben überlässt Du mal lieber Rod und mir.“

»Glücklich« und »Wunderbar« haben dagegen ja fast schon „Kirchentags-Tauglichkeit“ mit Aussagen wie „Es ist egal, was Du bist – Hauptsache ist, es macht Dich glücklich“ und „Du bist nicht zu dick , nein die anderen sind zu dünn“. Ist das der wahre Farin?

Was war das? Kirchentag? (lacht) Du Arsch, das ist echt hart! Neee, dass ist halt mein Humor, da sind die Spitzen nur verdeckt. Gerade das letzte Stück würde ich eher als kleine Gemeinheit begreifen.

Warum taucht immer wieder der Strand als Thema bei Dir auf?

Ich bin halt doch ’nen Sonnenmensch und am Strand in der Sonne fühle ich mich tatsächlich am wohlsten. Außerdem ist das Album tatsächlich zu einem großen Teil am Strand geschrieben worden. Das gehört eben zu meiner Person.

Wer spielt Schlagzeug?

Mein Lieber, Du sprichst mit dem Schlagzeuger! Das hab’ ich extra gelernt. Aber ich bin mal ehrlich: Die Bassdrum ist programmiert.

»Der Kavalier« und »Die Gitarre war noch warm...« haben eine ziemliche Affinität zu Country beziehungsweise Spaghetti-Western. Bei den frühen Ärzte-Scheiben gab’s da ja auch mal ein paar Titel, dann aber lange gar nicht mehr, wie kommt’s?

Gerade bei diesen Stücken musste ich viel herumexperimentieren. Bei den frühen Ärzten wären die Stücke nicht möglich gewesen, weil die inzwischen musikalisch doch ’ne Ecke anspruchsvoller sind. Ich hab’ das Album ja bei mir aufgenommen und da hatte ich genug Zeit mich mit den akustischen Gitarren zu beschäftigen. Bei E-Gitarren ist das ja nicht so wild, die stöpselt man ein und dann kann man quasi schon aufnehmen. Bei akustischen Instrumenten musst du dagegen erst gucken, welches Mikro du nimmst, welchen Abstand und Winkel das Mikro haben muss. Das kostet viel Zeit und im Studio natürlich auch Geld. Deshalb gibt’s bei den Ärzten zwar mal sporadisch ‘ne akustische Gitarre zu hören, aber mehr auch nicht.

Warum also nicht einfach mal ein Akustik-Album aufnehmen?

Ja, dann aber mit den Ärzten. So was bringt mehr Spaß, wenn man bekannte Stücke in anderen Versionen spielt. Also gerade die härteren Sachen von uns könnte man dann schön akustisch machen. Würde sicherlich ziemlich Spaß machen.

Was passiert wenn »Endlich Urlaub« erfolgreicher wird als die letzten Ärzte-Platten?

Puhh (lacht), dann wär’ die Hölle los. Ich glaube, das würde ich den beiden gar nicht verraten. Wenn die mich fragen würden, dann würde ich sagen: „Das läuft ganz gut“. Aber wir sind auch schon mit den Ärzten auf die Klappe gefallen, also ehrlich gesagt bin ich jetzt erstmal skeptisch was den Erfolg angeht. Ich habe das Gefühl, dass Bela und Rod jetzt einfach stumpf abwarten, wie mein Soloalbum so läuft. Wenn’s ein Erfolg wird, kannste sicher mit deren Alben rechnen.

Wann geht es in den Urlaub?

Dezember bis April, reicht Dir das?

interview: henrik ballwanz
fotos: verstärker

Farin Urlaub

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