Zu Besuch bei Wim Wenders im »Million Dollar Hotel«

Er bekam den Goldenen Löwen (für »Der Stand der Dinge«) und die Goldene Palme (für »Paris, Texas«). Mit seiner kubanischen Musikdokumentation »Buena Vista Social Club« konnte sich Regisseur Wim Wenders kürzlich auch an der Kinokasse sehen lassen. Nun bringt er sein »Million Dollar Hotel« auf die Leinwände, einen surrealen Liebeskrimi nach der Idee von U2-Sänger Bono.

Haben Sie eigentlich Angst vor der Berlinale, die ja oftmals zur Schlachtbank für den deutschen Film geriet?

Ich freue mich uneingeschränkt, denn ich stehe völlig hinter dem Film. Ich weiß, die Berlinale ist nicht ohne, was deutsches Kino anbelangt. Ich habe da auch selbst schon das ein oder andere Gemetzel mitbekommen. Aber ich habe davor keine Angst, denn der Film ist gut geworden.

Hatten Sie mit dem enormen Erfolg von »Buena Vista Social Club« gerechnet?

Es kommt erstens immer anders und zweitens als man denkt. Ich habe mir Prognosen inzwischen längst abgewöhnt und mit solch einem Erfolg konnte nun wirklich niemand rechnen. Seit 20 Jahren hatte kein Dokumentarfilm, und schon gar nicht ein Musikfilm im Kino irgendwelche Chancen. Wir waren anfangs heilfroh, dass wir überhaupt einige Kopien machen konnten. Und dass es ein paar verrückte Verleiher gab, die den Film dann in Italien und Deutschland herausgebracht haben.

Hilft dieser Erfolg von einer Million Besucher nun auch dem »Million Dollar Hotel«?

Dass »Buena« gut gelaufen ist, ist dem »Million Dollar Hotel« bestimmt nicht abträglich. Und das betrifft nicht nur die Zuschauerzahlen. Die Dreharbeiten zu »Buena« waren so entspannt, dass wir diese Atmosphäre auch in dieses neue Projekt hinüber retten konnten. Obwohl wir nur sieben Wochen Zeit hatten und sehr schnell drehen mussten, verliefen die Dreharbeiten angenehm und ruhig – gewissermaßen sehr kubanisch.

Sieben Wochen Drehzeit gingen allerdings etliche Jahre Vorbereitung voraus...

Sieben Jahre ist es her, seit mir Bono von seiner Idee zum ersten Mal erzählt hatte. Er wolle nur einen Rat, hat er lapidar gesagt. Aber tatsächlich wollte er mich als Regisseur – ganz schön hinterhältig! Ich bin 1996 nach Los Angeles gegangen, um den Film zu machen. Damals scheiterten wir jedoch an der Finanzierung. Ursprünglich sollte das ein Science Fiction-Film werden, der dafür nötige Aufwand wäre aber weit über die Möglichkeiten eines europäisch produzierten Filmes hinausgegangen. Wir haben dann einiges vereinfacht. Der Kern der Story jedoch ist gleich geblieben.

Der Film wirkt bisweilen ziemlich theaterhaft...

Das liegt vor allem daran, das es nur diesen einen Schauplatz gibt. Zudem ist das ein echtes Ensemble-Stück, das man entsprechend besetzen musste. Alle Darsteller waren während der gesamten Drehzeit anwesend, auch wenn sie keine Szenen spielen mussten.

Warum spielt hier ein Hollywoodstar wie Mel Gibson mit?

Man muss sich einfach die Geschichte von Gibson anschauen: »Mad Max« war ein sagenhafter Film, ebenso grandios war Mel in »Ein Jahr in der Hölle«. Erst in Hollywood ist er dann zu einem Markenartikel geworden. Was er da machen muss, kann er im Schlaf. Deshalb hat er sich über eine Herausforderung als Schauspieler um so mehr gefreut. Und er hat hier die schwierigste Rolle. Nach einer Woche Dreharbeiten hat er nur gestöhnt: „das ist ja schwieriger als Hamlet“ – das war es aber auch.

Bekommen Sie eigentlich jeden Star, den Sie wollen?

Bei dem geplanten Science-Fiction-Film waren auch Johnny Depp und Sean Penn im Gespräch, und beide hätten zugesagt. Dann hat sich das Projekt geändert und wir haben nach jüngeren Akteuren gesucht. Wenn den Schauspielern das Drehbuch gefällt, dann sagen Sie mir meist auch zu.

Wie war die Zusammenarbeit mit Bono? Warum hat er nur so einen kleinen Gastauftritt?

Bono wollte eigentlich den Hotelportier spielen. Dann mussten wir aber den Dreh verschieben und U2 waren mitten in ihren neuen Plattenaufnahmen. Da wollte ihn die Band nicht mehr weglassen.

Wird’s irgendwann mal eine Wenders-Komödie geben?

Mein Lehrmeister meinte, dass der ernsthafte Quatsch nur ein Um-den-heißen-Brei-herumfilmen sei. Irgendwann mache ich bestimmt noch ’ne Komödie. Ich muss nur noch ein wenig älter werden.

text & interview: dieter oßwald
foto: concorde
Wim Wenders

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