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Wer’s im Kino lieber einfach strukturiert mag, einen Film mit Anfang, Mitte, Schluß, der kann sich diese Karte ganz klar sparen. Wer jedoch jenseits all der gängigen Konventionen auf visuelle Abenteuer der ungewöhnlicheren Qualität aus ist, dem bietet diese raffinierte Liebes-Collage die Chance auf einen coolen Trip auf recht unbekanntes Terrain.
Im Mittelpunkt der Stories über Sünde, Sex und Unschuld steht Nick, ein erfolgreicher Kameramann. In diversen Episoden erinnert sich der Held mit Rückblenden an sein erstes Mal als Teenie. An traumatische Todeserfahrungen als Knirps. Oder wir erleben ihn beim feurigen Flirt am Lagerfeuer. Verbunden wird das lässig assoziative Erotik-Puzzle durch surreale Einlagen über Adam und Eva – wobei der erste Mann ein Schwarzer ist und Eva vor einem Jesus am Kreuz spazieren geht. Zusammengehalten werden die Sequenzen durch einen grandiosen Soundtrack mit klassischer Klaviermusik von Chopin bis Mozart.
Klingt nach esoterischem New-Age-Firlefanz der läppischen Art? Kein Angst! Der Regisseur heißt Mike Figgis. Der feierte bekanntlich mit seiner Säufersaga „Leaving Las Vegas“ oscarprämierte Triumphe und verhalf mit „One Night Stand“ selbst einer Nastassja Kinski zum Comeback. Der unprüde Brite erzählt seine autobiographisch angehauchten Kurzgeschichten mit englischen Humoreinlagen: vom flotten Quickie bei der gediegenen Beerdigungsparty. Von den Bügelbrett-Striptease-Fantasien einer frustrierten Hausfrau. Über jenen Blindenhund, den plötzlich seine tierischen Instinkte überkommen. Bis hin zur Vertreibung von Adam und Eva aus dem Garten Eden – durch italienische Faschisten. Alles absurd. Aber allemal originell. Voraussetzung freilich ist, daß man sich auf die eigenwillige Fabulierlust des Erzählers völlig einläßt: nur dann macht die gewisse Sinnlosigkeit seiner schrägen Sex-Stories Spaß. Streber sollten sich hingegen mit dem Soundtrack begnügen. Selber Schuld, wenn sie dann eines Tages plötzlich vor ihrem Doppelgänger stehen und nicht wissen, was zu tun ist. Dank Figgis ist man für solche Fälle vorgewarnt!
Text: Dieter Oßwald Foto: Tobis
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