Harald Schmidt L E I N W A N D






Wieso Buße?

TV-Berserker Harald Schmidt und die „Late Show“ auf der Leinwand

In Stuttgart ging er an die Schauspielschule, am Düsseldorfer Kom(m)ödchen sammelte er Comedy-Erfahrung. Zur Kultfigur avancierte Harald Schmidt, 42, in der TV-Show „Schmidteinander“. Nach seiner „Verstehen Sie Spaß“-Einlage startete im Dezember 1995 die „Harald Schmidt Show“, die zuletzt mit ihren Späßen über Ex-„Tagesschau“-Lady Susan Stahnke für Schlagzeilen sorgte. Jetzt spielt der spaßige Schwabe die Hauptrolle in „Late Show“. SUBWAY sprach mit Schmidt.

SUBWAY: In der „Late Show“ bekennen Sie sich zum Fußfetischismus und küssen Jasmin Tabatabai die Zehen –würden Sie das auch bei Bettina Böttinger oder der Südwest 3-Psychologin Frau Lemmle machen?
„Das bin ja nicht ich, der das macht. Sondern das ist die Figur Conny Scheffer, die ich spiele. Ich selber bin kein Fußfetischist. Ich bin Künstler, vergessen Sie das bitte nie.“

Lassen sich die täglichen Soaps und Talkshows überhaupt noch parodieren?
„Dietl wollte keine direkte Parodie. Es geht um die satirische Verknappung und Überhöhung. Die einzelnen Shows sind sicher nicht zu parodieren. Aber man kann das Genre als solches schon satirisch überdrehen. Diese Metapher, wo der Moderator verzweifelt gegen eine Monitorwand rennt, ist noch nicht passiert. Aber der Tag, wo das geschieht, ist vielleicht nicht mehr allzu fern.“

Machen Gottschalk und Schmidt in diesem Film mit als eine Art Selbstreinigung: Buße tun im Beichtstuhl von Dietl?
„Wofür denn? Wir haben doch nichts angestellt. Wir machen mit aus privatem Spaß und Ehrgeiz. Und aus großer Ehrfurcht vor Helmut Dietl, weil wir beide wirklich Fans sind.“

Haben Sie überhaupt noch Zeit, fürs Kinogehen?
„Ich bin ein großer Originalfilm-Seher. Deswegen gehe ich immer in ein leicht angeschmuddeltes Programmkino. Und zwar mindestens einmal pro Woche ins Kino.“

Schmuddeliges Programmkino? Hatten Sie schon jemals Sex im Kino?
„Nicht schmuddelig, „leicht angeschmuddelt“, auf diese sprachliche Präzision muß ich als Landsmann von Hölderlin und Mörike bestehen. Sex im Kino? Ja. Aber nur mit mir selbst.“

Ist die Susan Stahnke-Sache mit Unterlassungsklage und Ordnungsgeld aus dem Ruder gelaufen?
„Das ist juristischer Standard. Das habe ich häufig. Das läuft an mir vorbei: ihr Anwalt schickt es meinem Anwalt. Und dann wird es juristisch geklärt, ich unterschreibe etwas. Und damit hat es sich.“

Sind Sie zufrieden, daß Ihr Spielfilmauftritt vor dem von Susan stattfindet?
„Ich hoffe, daß man mir bald aus Hollywood die Rolle des Mannes von Karin Göring anbietet.“

Sind Sie aufgeregt vor dem Kinostart?
„Ich bin nicht aufgeregt. Ich habe dieses Fieber aller Größenwahnsinnigen: ich glaube an den ganz großen Erfolg. Das ist eine Gnade, so veranlagt zu sein. Insgeheim bete ich natürlich. Aber ich sehe mich im gließenden Scheinwerferlicht, umtost von Jubel und sagen: Hollywood, ich bleibe hier.“

Was soll der Zuschauer mitnehmen?
„Der soll sich einfach glänzend amüsieren und sagen: Wahnsinn, wie das Fernsehen hart ist. Bin ich froh, daß ich dort nicht arbeiten muß, sondern bei Daimler oder bei Bosch.“

Was machen Sie Silvester 1999?
„Mit Silvester habe ich überhaupt nichts am Hut. Ich hoffe, daß ich das wie in diesem Jahr auf der heimatlichen Couch verbringen kann. Und von Karl Moik heruntergezählt werde.“

Text: Dieter Oßwald
Foto: Jugendfilm









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