Wen interessiert schon die Geschichte eines 37jährigen, arbeitslosen Ex-Alkoholikers, der den lausigsten Fußballclub von Schottland trainiert und drastische Liebesprobleme hat. Solche Stories interessieren den britischen Altmeister der Sozialkomödie. Und ein Ken Loach erzählt diese kleinen Alltagsgeschichten vom Rande der Gesellschaft immer wieder derart großartig, daß es keiner Betroffenheitsheuchelei bedarf, um ihrem bestechenden Charme zu erliegen. Wie einst in „Riff-Raff“ oder „Raining Stones“ präsentiert sich die Gesellschaftskritik in situationskomischer Form und mit präzisem Blick auf die Figuren. „Müller“, „Netzer“, „Beckenbauer“ steht auf den Trikots der jungen Kicker von Joe. Ein surrealer Anblick, sind die Jungs im Weltmeisterdress doch die schlechteste Mannschaft von ganz Glasgow. „Ich war schon immer der Franz Beckenbauer“, schmollt ein pummeliger Teenie-Stürmer, als er sein Trikot ausziehen muß, weil die Gegner gleichfalls im nostalgischen DFB-Dress auflaufen. Allen Niederlagen zum Trotz, gibt die Kickerei den Kids wenigstens einen kleinen Kick in ihrem tristen Leben. Die junge Frau des Stürmers Liam sucht ihre Flucht derweil in Drogen. Und bald bringen gravierende Geldprobleme dramatische Entwicklungen ins mühsam errichtete Idyll. Ganz zu schweigen von der verunglückten Affäre zwischen Joe und der Sozialarbeiterin Sarah. Klingt kraß nach Klischee und Kinopredigt? Denkste. Loach erzählt seine Geschichte einmal mehr mit solch verblüffender Ehrlichkeit und spürbarem Sinn für Realität, daß für melodramatischen Sozialkitsch gängiger Gutmensch-Geschichten kaum Platz bleibt. Wie üblich kann Loach sich bei seinem liebenswerten Drama über Cold Britain auf erstklassige Akteure verlassen. Allen voran Peter Mullan („Trainspotting“), dessen Paul Newman-Charisma ihm in Cannes eine Schauspiel-Palme einbrachte. Bewegendes Kino der britischen Art – davon können deutsche Drehbücher nur träumen.